Plötzlich wieder lernen?

Bei mir ist es genau 2 Jahre und 4 Monate her als ich maturiert (die Schule absolviert für die deutschen Leser unter uns) habe. Ich ging in eine 5jährige berufsbildende höhere Schule, sprich, eine Schule in der ich zugleich einen „Beruf“ erlernte, mich in eine speziellere Richtung ausbildete und somit nicht mehr zwingend studieren gehen musste, wie es beim normalen Gymnasium der Fall wäre. Da ich Anfangs natürlich nicht wusste ob ich studieren gehen mag oder nicht, war es für mich dennoch die beste Lösung gleich in eine 5jährige Schule zu gehen, vor allem weil mir dieser Zweig unglaublich Spaß gemacht hat und mich interessierte. Zur Info: Ich war auf einer kreativen Schule, wo ich lernte Produkte zu designen, Webseiten zu erstellen sowie Vermarktung und Präsentation. Ganze 2 Jahre ist das nun her als ich meine Matura gemacht habe, auf die ich hingefiebert habe und ich war überglücklich und erleichtert als ich das ganze Prozedere hinter mir hatte. Gerade weil ich ein sehr ehrgeiziger und zielstrebiger Mensch bin, war ich dementsprechend auch in der Schule so. Für mich aber nicht immer einfach, denn ich habe es mir selbst immer schwerer gemacht als es war und mich hineingesteigert, wo es eigentlich nie einen Grund dazu gab. Aber so bin ich nun mal. Und auch deshalb, weil ich weiß, wie ich bin und weil ich weiß, dass mir das Lernen auf lange Zeit gesehen nicht gut tut (weil ich mich einfach selbst total fertig mache damit), habe ich dann ziemlich bald beschlossen, dass ich nach der Schule nicht studieren gehen möchte. Ich wollte nicht weiterlernen, noch mehr Stress auf mich bürgen – nein, ich wollte gleich arbeiten gehen, Geld verdienen und so schneller selbstständig werden und mit beiden Beinen im Leben stehen.

Seit 2 Jahren gehe ich mittlerweile arbeiten, in einem sehr interessanten Beruf, der viel Chance bietet und wo man sehr viele Bereiche kennenlernt/kennenlernen kann. Allerdings gehört es bei diesem Beruf dazu, eine Grundausbildung zu machen, um alle Bereiche abdecken zu können. Klar, nirgends wird man ohne sich weiterbilden zu müssen groß weiterkommen! Das war mir von Anfang an klar und nur so kann auch ich meine Leistung bringen und zu 100% machen, was mir Spaß macht. Also heißt es für mich zurzeit wieder die „Schulbank“ zu drücken! Für mich nicht ganz einfach, denn wenn man einmal arbeiten geht, wollen nur die wenigsten zurück in die Schule versetzt werden. Mein Motto ist „Learning by doing“, was für mich am wirksamsten ist, und meist auch die schnellsten Resultate bringt.
Nun, jeden Tag für zwei Wochen wieder von 8-17 Uhr wie in der Schule aufpassen, mitschreiben, diskutieren, üben, lernen und Flipcharts gestalten – ja da muss man erst wieder hineinkommen. Deshalb hier ein paar Tipps, wie ihr euch helfen könnt, schneller in so etwas wieder hineinzukommen:

  • Kaffee: Am Anfang wird Kaffee euer bester Freund, immerhin muss man die Aufmerksamkeit auf den Vortragenden richten – wer Kaffee nicht mag, der sollte sich Energy Drinks zulegen oder aufmunternde Tees.
  • Aufpassen: „Ernsthaft, das ist doch logisch, Betti!“. Ja ich weiß. Aber wenn man wirklich mit Hirn aufpasst und mittut, dann muss man im Nachhinein nicht mehr so viel lernen. Wenn man es gleich versteht und für logisch empfindet und wirklich intus hat, dann ist dieses typische „alles auswendig lernen und innerhalb von 2 Tagen wieder vergessen“ nicht notwendig! Das hat mir total geholfen, da ich mich so nicht mehr jeden Tag hinsetzen musste, sondern mir im Endeffekt nur mehr alles einmal durchgelesen habe vor meiner Prüfung.
  • Fragen, fragen, fragen: Viele sind sich oft zu feig oder auch zu gut um nachzufragen. Ich bin da (gott sei Dank) anders. Wenn ich etwas wissen will, etwas nicht verstehe oder den Zusammenhang nicht kenne, dann frage ich nach. Nur so kann ich etwas lernen und meist sind das die Dinge, die ich mir dann am besten merke. Weil ich mich konkret dafür interessiert habe und mich informiert habe. Ich bin generell ein akustischer Lerntyp, je öfter ich etwas höre, desto besser merke ich es mir.
  • Es nicht als Schule ansehen: Schule war einmal. Alles was danach kommt, ist entweder ein Studium oder wie bei mir Weiterbildung mittels eines Kurses. Die Vortragenden sind keine Lehrer mehr, man kann sich selbst freier bewegen und generell kann man so die ganze Atmosphere entspannter ansehen, da es nicht mehr dieses typische „du darfst nur in den Pausen aufs Klo gehen, trinken darfst du auch nix und aufs Handy schauen geht gar nicht“ gibt. Jeder weiß wie er sich zu verhalten hat und trotzdem, obwohl es keine Strafen oder Sonstiges gibt, verhält sich jeder respektvoll und so, dass niemand gestört wird.

Mir hat es ziemlich geholfen, dass ich diese Tipps eingehalten habe und im Endeffekt darf man das nicht als Schule sehen, sondern als Bereicherung. Denn je mehr man weiß, desto mehr kann man damit auch weitergestalten. Und wenn es einen interessiert, dann ist das sowieso gleich 10 Mal einfacher und leichter.

Wer von euch kennt diese Situation? Habt ihr auch schon einmal nach längerer Arbeitszeit eine Ausbildung machen müssen/wollen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

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